Blühende Landschaften und natürliche Ökosysteme

Geschichte

Obstanbau auf Streuobstwiesen führt zu blühenden Landschaften und nachhaltigen Ökosystemen und ist mittlerweile wieder von enormer ökologischer Bedeutung. Man geht davon aus, dass ca. 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten auf einer Streuobstwiese zu finden sind. Die Anfänge reichen dabei als Wildformen von Apfel, Birne, Süßkirsche, Pflaume und Walnuss in die Urzeit zurück.

Unsere Streuobstwiese in Oppau

Entstehung und Entwicklung

von Streuobstwiesen

Entstehung der Streuobstwiesen

Streuobstwiesen haben eine über 2.000 Jahre alte Geschichte. Die Kunst des Veredelns von Obst auf Streuobstwiesen war eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung. Obst zu ondulieren und zu pfropfen kam über Persien, Griechenland und Italien zu uns. Aus dem 8. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen zu größeren Hausgärten mit Obstbäumen. Im Mittelalter fand man in der Dorfmitte einen großen Nussbaum und in der Siedlung Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen1.

Im 9. Jahrhundert waren es insbesondere Klöster und deren Mönche, die durch einen internationalen Tauschhandel die Vielfalt der Obstsorten und das Wissen um Okulieren und Pflege bewahrten und weiterentwickelten. Viele Klöster hatten neben Gemüseanbau und Fischzuchtanlagen weitläufige Obstwiesen.

1 Rolf Heinzelmann und Manfred Nuber: Unsere erste Obstwiese

Mittelalter und Neuzeit

Wein war im Mittelalter für Menschen von großer Bedeutung. Da der Transport von südlichen Ländern teuer war, wurde Wein bei uns vermehrt in ungünstigen Lagen angebaut. Im 19. Jahrhundert wurden durch die Einschleppung des echten und falschen Mehltaus aus Weinbergen zunehmend Obstbaumflächen2.  

Bedingt durch die Bevölkerungszunahme erlangten die Streuobstwiesen eine besondere Bedeutung für die Ernährung. Die Milchviehwirtschaft nahm immer mehr zu und damit wurden für die Flächen unter den Bäumen Blumenwiesen für die Fütterung angepflanzt. Nun entstanden nach und nach die typischen Streuobstwiesen.

Die weiteste Verbreitung des Streuobstbaus in Deutschland wie in Europa gab es zwischen 1930 und 1955. Rund 1,5 Millionen Hektar in Deutschland sorgten so für blühende Obstbäume und Blumenwiesen. Damals fand eine sehr intensive Nutzung der Streuobstbestände mit hohem Einsatz von Personal statt.

2 Rolf Heinzelmann und Manfred Nuber: Unsere erste Obstwiese
Weitere Entwicklung

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Intensivobstanbau. Damit verloren die Streuobstwiesen für die Ernährung wieder an Bedeutung. Großkronige Bäume wurden wegen der Pflege durch kleinkronige ersetzt. Viele Streuobstwiesen fielen nach und nach Siedlungsflächen und dem Straßenbau zum Opfer. Etliche Blumenwiesen wurden wegen fehlender Wirtschaftlichkeit nicht mehr gepflegt.

Obstbauvereine

1880 schlossen sich die Obstbauvereine zum Württembergischen Obstbauverband. 1886 folgte der Badische Landesobstbauverband. 1900 gab es 1.123 Gemeinde- und 31 Bezirksbaumwarte. Weitere Obstbauvereine wurden gegründet. Die Obstwiesen dehnten sich aus und wurden immer größere Flächen. 1938 zählte man in Baden-Württemberg 26 Millionen Obstbäume. 

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Ökologische Bedeutung

Eine Streuobstwiese ist ein wichtiger Lebensraum von vielen gefährdeten Tieren- und Pflanzenarten.

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Pflege

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